Superkali… usw.

Kann man ein Unsinnswort („Quirkel“) von einer Sprache in eine andere übersetzen? Man kann es immerhin versuchen. Das Quirkel „Supercalifragilisticexpialidocious” aus dem Musicalfilm Mary Poppins (1964), nach dem dreißig Jahre zuvor erschienenen, gleichnamigen Roman der Australierin P. L Travers (1899-1996), wurde in der deutschen Synchronisation zu dem nicht minder quirkeligen Wort „Superkalifragilistischexpialigetisch”.

Der englische Schlagersänger Chris Howland, der es hierzulande als „Mr. Pumpernickel” in den 1950er-Jahren zu beträchtlicher Popularität gebracht hatte, erfreute seine Fans im gleichen Jahr 1964 mit einer Single unter dem Titel Superkalifragilistisch Expiallegorisch, was bis heute unter den radebrechenden Nachplapperern dieses bandwurmlangen Zauberspruchs zu Verwirrung und heftigen Diskussionen führt. Wie heißt es denn nun richtig: „-getisch” oder „-gorisch”?

So marschierte Hugo Balls Karawane aus dem Jahr 1917 munter weiter – und der Dadaismus der Zürcher Avantgarde feierte in den gagaphonen Refrains biederster Singspiele ein wunderliches Comeback.

Je länger die Phantasiewörter, desto vielfältiger ihre Anagramme. So kann man aus dem Quirkel „Superkalifragilistischexpialigetisch” per Mausklick wunderbarerweise bequem 151.300 mehr oder weniger sinnvolle Sätze formen lassen, wie z. B. „Fix lag Pipi: Gitarre – Ausschliesslichkeit!”

Die grandiose Asketin Unica Zürn, die ihr großes Talent über solchen Buchstabenumstellungsspielen verschliss, wird schon gewusst haben, warum sie sich am 19. Oktober 1970, lange vor der Mechanisierung der anagrammatischen Poeterei, aus dem Fenster schmiss. Die damals wohl schon vorhersehbare Niederlage des charmant aus Menschengrips gefertigten Changierens der 26 Lettern, zwischen Sinn und Unsinn, angesichts der unmittelbar bevorstehenden, gnadenlos-unausweichlichen Perfektion der Computer, wollte sie sich wohl ersparen.

Leave a Reply