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	<title>Revierflaneur &#187; Babel</title>
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	<description>Kleine Schritte weg von der Mitte</description>
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		<title>Deutschland, hilf!</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Jan 2012 18:00:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Revierflaneur</dc:creator>
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		<description><![CDATA[
Man darf niemals aufgeben. „Ich habe soeben erstmals den Namen Ihrer Hilfsorganisation gelesen (auf einem Werbeplakat an einer Straßenbahnhaltestelle in Essen). Sehr stört mich daran, dass in Ihrem Namen ein Rechtschreibfehler unterlaufen ist. Das Wort ,helfen‘ ist ein Verb und muss darum kleingeschrieben werden, außer am Anfang des Satzes. Es heißt also richtig: ,Aktion Deutschland [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.revierflaneur.de/wp-content/uploads/2012/01/hilfefuerdeutschlandschale120115.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-9107" title="hilfefuerdeutschlandschale120115" src="http://www.revierflaneur.de/wp-content/uploads/2012/01/hilfefuerdeutschlandschale120115-400x89.jpg" alt="" width="400" height="89" /></a></p>
<p>Man darf niemals aufgeben. „Ich habe soeben erstmals den Namen Ihrer Hilfsorganisation gelesen (auf einem Werbeplakat an einer Straßenbahnhaltestelle in Essen). Sehr stört mich daran, dass in Ihrem Namen ein Rechtschreibfehler unterlaufen ist. Das Wort ,helfen‘ ist ein Verb und muss darum kleingeschrieben werden, außer am Anfang des Satzes. Es heißt also richtig: ,Aktion Deutschland hilft‘. Wie erklären Sie diesen Fehler, durch den vor allem Kindern und Deutsch lernenden Ausländern ein schlechtes Vorbild gegeben wird, bei einer solch renommierten und wirkungsvollen Organisation? Ich bin gespannt auf Ihre Antwort und würde mich freuen, wenn Sie meine Anregung aufgreifen und den falsch geschriebenen Namen bald korrigieren würden.“ (Anfrage per <a href="http://www.aktion-deutschland-hilft.de/de/kontaktservice/">Online-Formular</a> abgeschickt am heutigen Tage um 19:00 Uhr.)</p>
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		<title>Zufall: Rumgetalpe</title>
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		<pubDate>Sat, 07 Jan 2012 16:00:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Revierflaneur</dc:creator>
				<category><![CDATA[Babel]]></category>
		<category><![CDATA[Würfelwürfe]]></category>

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Durchsicht aller online verfügbaren Rezensionen von Wolfgang Herrndorfs Sand. Durchwegs urteilen die Kritiker wohlwollend bis überschwänglich, kein einziger Verriss tanzt aus der Reihe. Das ist insofern erstaunlich, als sie sich andererseits darin einig sind, aus dem Buch nicht recht schlau geworden zu sein. Sie geben zu, verwirrt zu sein, den Überblick verloren zu haben, sich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.revierflaneur.de/wp-content/uploads/2012/01/nudelnetz120107.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-9056" title="nudelnetz120107" src="http://www.revierflaneur.de/wp-content/uploads/2012/01/nudelnetz120107-400x79.jpg" alt="" width="400" height="79" /></a></p>
<p>Durchsicht aller online verfügbaren Rezensionen von Wolfgang Herrndorfs <em>Sand.</em> Durchwegs urteilen die Kritiker wohlwollend bis überschwänglich, kein einziger Verriss tanzt aus der Reihe. Das ist insofern erstaunlich, als sie sich andererseits darin einig sind, aus dem Buch nicht recht schlau geworden zu sein. Sie geben zu, verwirrt zu sein, den Überblick verloren zu haben, sich getäuscht und hintergangen vorzukommen – aber sie nehmen das nicht etwa übel, sondern applaudieren dieser Vertracktheit und irritierenden Unübersichtlichkeit noch. Als langjähriger Zufallsforscher kann mich nicht überraschen, dass dieses vielfach missbrauchte Wörtchen auch hier dran glauben muss, um dem Chaos einen Dreh ins glücklich Gewollte und damit Gelungene zu geben. Den Anfang machte <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/belletristik/wolfgang-herrndorf-sand-wo-schmuggler-hippies-kuenstler-und-agenten-auftanken-11525376.html">Friedmar Apel</a>: „Da die Wahrheit so unwahrscheinlich klingt, erfindet er [der Protagonist des Romans, Carl genannt] wahrscheinlichere Aussagen, aber der Zufall will ihm nicht zu Hilfe kommen. Dabei könnte das Ganze als eine Verkettung von dummen Zufällen erscheinen. […] Die Ereignisse und Gewalttaten scheinen jeweils keinen oder einen falschen Grund zu haben. Das Leben ist auch ein Fehlerspiel von Zufällen, aber da nennt man es Schicksal.“ (<em>Frankfurter Allgemeine Zeitung</em> v. 11. November 2011.) – Und so geht es munter weiter. <a href="http://www.taz.de/!81882/">Dirk Knipphals</a>: „Jedenfalls spielt der Zufall, der in diesem sinnlosen Kosmos und dieser transzendentalen Obdachlosigkeit, in der wir nun einmal leben, herrscht, die alles überragende Rolle.“ (<em>taz</em> v. 15. November 2011.) – <a href="http://www.zeit.de/2011/47/L-B-Herrndorf">Andrea Hanna Hünniger</a>: „Es ist, als wollte er [der Autor] sagen: Jede Handlung ist nur eine Folge von Missverständnissen. Jede Begegnung eine Folge von Zufällen. Und jedes Urteil eine Folge von inkompetenten Richtern. […] Alles, was er [Carl] vor seiner Gefangenschaft tut, geht schief, obwohl sich nicht genau sagen lässt, ob er selbst einen Fehler gemacht hat. Eher sind es die Zufälle, die alles kompliziert machen. Sie sind es, die dafür sorgen, dass ihm der Mikrofilm in die Hände fällt und im Moment des Fast-Erlöstseins wieder verloren geht.“ (<em>ZEIT</em> v. 22. November 2011.) – <a href="http://www.freitag.de/kultur/1148-an-den-zeichen-entlang">Luise Boege</a>: „In <em>Sand</em> wird zunächst sehr viel durch Zufall hineingeraten und herumgetalpt […].“ (<em>der Freitag</em> v. 5. Dezember 2011.) Wie die Rezensenten habe ich das Buch mit großen Erwartungen zur Hand genommen. Wie sie empfand ich für den Autor nach <em>Tschick</em> und mehr noch nach intensiver Lektüre seines Blogs <em>Arbeit und Struktur</em> Sympathie und Achtung. Nachdem ich zwei Wochen Bettlektüre – Bücher lese ich ausschließlich vorm Einschlafen im Bett – mit <em>Sand</em> verbracht habe, komme ich noch zu keinem abschließenden Urteil. Die Besprechungen jedenfalls gehen nach meiner festen Überzeugung allesamt in die Irre. Indem sie das Buch so loben, tun sie ihm Unrecht. Zum Überfluss entdeckte ich noch diesen <a href="http://www.youtube.com/watch?v=n3pIG8InoL8">Mitschnitt </a>einer Lesung des Autors aus <em>Sand</em>, bei der im Publikum dauernd gekichert wird. Offenbar sind die Zuhörer mit dem Vorurteil aus <em>Tschick</em> zu der Rezitation gegangen, einem Humoristen zu begegnen – und hören dann nicht richtig hin. Schmerzhaft!</p>
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		<title>Sammlers Bescheidenheit</title>
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		<pubDate>Sun, 25 Dec 2011 16:00:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Revierflaneur</dc:creator>
				<category><![CDATA[Babel]]></category>
		<category><![CDATA[Biblioskopie]]></category>
		<category><![CDATA[Sammlungen]]></category>

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		<description><![CDATA[
In den letzten Jahren habe ich das Interview als eine vollwertige literarische Kunstform entdeckt; was natürlich keineswegs bedeutet, dass nun Interviews, wie sie mit den langweiligen Prominenzen aus Politik, Gesellschaft und Unterhaltungsindustrie geführt und alltäglich in den Zeitungen und Magazinen veröffentlicht werden, per se schon Kunstwerke sind, die die Beachtung einer gebildeten Leserschaft und die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.revierflaneur.de/wp-content/uploads/2011/12/einzelle111225.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-8987" title="einzelle111225" src="http://www.revierflaneur.de/wp-content/uploads/2011/12/einzelle111225-400x30.jpg" alt="" width="400" height="30" /></a></p>
<p>In den letzten Jahren habe ich das Interview als eine vollwertige literarische Kunstform entdeckt; was natürlich keineswegs bedeutet, dass nun Interviews, wie sie mit den langweiligen Prominenzen aus Politik, Gesellschaft und Unterhaltungsindustrie geführt und alltäglich in den Zeitungen und Magazinen veröffentlicht werden, per se schon Kunstwerke sind, die die Beachtung einer gebildeten Leserschaft und die Beurteilung der professionellen Kritik verdienten. Aber es gibt doch in diesem ohrenbetäubenden Allerweltspalaver immer wieder einmal Kleinodien des Gesprächs, der Befragung, die es verdienen, in eine Textsammlung der literarischen Meisterwerke aller Gattungen und Sprachen aufgenommen zu werden. Einige Interviews des im April dieses Jahres gestorbenen André Müller sind darunter; manche in der New Yorker Literaturzeitschrift <em>Paris Review</em> erschienene Autorengespräche; und viele verstreut veröffentlichte Einzelstücke, die ich hier und dort im Laufe von Jahrzehnten zusammengetragen habe, eine Sammlung, die es dringend nötig hat, gesichtet und ausgedünnt zu werden. Unbedingt würde ich die Gespräche hinzurechnen, die Osvaldo Ferrari 1984 bis 1986 in Genf mit Jorge Luis Borges geführt hat. Leider gibt es bisher nur eine Auswahl in deutscher Übersetzung (von Gisbert Haefs). Natürlich müssten aber auch Interviews mit jenen Unbekannten vertreten sein, die weniger durch ihren erlauchten Geist, durch ihre Beiträge zu Kunst und Wissenschaft unser Interesse verdienen, sondern allein durch das wahrhaftige Bekenntnis zu ihrem einfachen Leben, mit einem Wort: durch ihre Authentizität. Hier denke ich an Hubert Fichtes <em>Interviews aus dem Palais d‘Amour</em> oder die langen Interviews per brieflicher Befragung, die Paul Moor mit Jürgen Bartsch im Gefängnis geführt hat, um nur zwei Beispiele zu nennen, die mich nachhaltig geprägt haben. Natürlich gehören auch Verhöre hinzu, die Befragungen von Tätern und Zeugen vor Gericht. Zuletzt würde vielleicht ein tausendstimmiges Oratorium aus Fragen und Antworten dabei herauskommen, zwischen Himmel und Hölle, ohne Anfang und Ende. Alles Gerede mündete dann in diesen einen polyphonen Gesang, wie Mallarmé erklärt hat: „Tout au monde existe pour aboutir à un livre“, was Borges 1951 zum Motto seines Essays <em>Vom Bücherkult</em> machte, woran ihn Ferrari in einem seiner Interviews erinnerte. (Vgl. <em>Lesen ist denken mit fremdem Gehirn.</em> Zürich: Arche Verlag, 1990, S. 89.) – Vielleicht hätte ich mich doch mit dem ehrbaren Handwerk des Anthologisten bescheiden sollen, statt mich dazu berufen zu fühlen, selbst zu schreiben?</p>
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		<title>Neue Fehlertypen (I): Altlasten</title>
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		<pubDate>Mon, 01 Aug 2011 11:51:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Revierflaneur</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Würfelwürfe]]></category>

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		<description><![CDATA[
Wo ein Fortschritt ist, da lauern stets auch neue Gefahren. Wer geglaubt hat, dass durch Textverarbeitungsprogramme und die dort eingesetzten Prüfroutinen alle Schreibfehler bald der Vergangenheit angehören würden, der musste erfahren, dass davon längst noch keine Rede sein kann. Zwar spürt die automatische Fehlersuche falsch geschriebene Wörter auf, zum Beispiel bei einem „Bucshtabenderher“. Aber schon [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.revierflaneur.de/wp-content/uploads/2011/08/fehlerfehler110801.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-6216" title="fehlerfehler110801" src="http://www.revierflaneur.de/wp-content/uploads/2011/08/fehlerfehler110801-400x290.jpg" alt="" width="400" height="290" /></a></p>
<p>Wo ein Fortschritt ist, da lauern stets auch neue Gefahren. Wer geglaubt hat, dass durch Textverarbeitungsprogramme und die dort eingesetzten Prüfroutinen alle Schreibfehler bald der Vergangenheit angehören würden, der musste erfahren, dass davon längst noch keine Rede sein kann. Zwar spürt die automatische Fehlersuche falsch geschriebene Wörter auf, zum Beispiel bei einem „Bucshtabenderher“. Aber schon wenn man sich bei „versehen“ vertippt und „vergehen“ schreibt, entgeht dem Programm dieses Versehen, denn das Wort ist an sich kein falsches, sondern nur im Zusammenhang deplatziert.</p>
<p>Bei manchem Laienschreiber hat nun das grenzenlose Vertrauen ins Korrekturprogramm dazu geführt, dass er im Zweifelsfall nicht mehr nachschlägt, nicht einmal mehr nachdenkt, sondern die erstbeste Variante in die Tasten hackt, darauf vertrauend, dass sein nur vermeintlich allwissender Spürhund schon anschlagen wird, wenn sein Herrchen irgendwo falschlag. Schlimmer noch! Die gute alte Übung, grundsätzlich jeden fertigen Text erst einmal aufmerksam und gründlich durchzulesen, bevor man ihn aus der Hand gibt oder gar veröffentlicht, gilt den meisten Schreibern mittlerweile als unnötige Zeitverschwendung.</p>
<p>So hat die neue Technik in den vergangenen zwei Jahrzehnten zwar dafür gesorgt, dass mancherlei Fehlschreibungen in Texten rasend schnell und mühelos aufgespürt und berichtigt werden können. Gleichzeitig sind aber <em>neue Fehlertypen</em> entstanden, nämlich durch das Schreiben per PC. Einen sehr verbreiteten Typ stelle ich hier an einem schönen Beispiel vor. Ulrike Putz vom <em>Spiegel</em> <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,777197,00.html">berichtet heute</a> über Morde an iranischen Atomphysikern: „Nach westlicher Einschätzung gehörte Mohammadi Teil zur Elite der iranischen Nuklearforscher.“ (<em>Israels mörderische Sabotage-Strategie;</em> in: <em>SpOn</em> v. 1. August 2011.)</p>
<p>Das Wort „Teil“ ist überflüssig. Wie kam es hierher? Offensichtlich sollte der Satz ursprünglich lauten: „Nach westlicher Einschätzung war Mohammadi Teil der Elite der iranischen Nuklearforscher.“ Vermutlich missfiel der Autorin das doppelte „der“ („… Teil <em>der</em> Elite <em>der</em> …“). Außerdem ist es selten passend, einen Menschen als <em>Teil</em> von etwas zu bezeichnen. (Mein Großonkel war als Akrobat mal Teil einer menschlichen Pyramide; das ginge allenfalls noch.) Also beschloss sie, den Satz umzuformulieren. Sie setzte ein neues Verb – „gehörte“ – an die Stelle von „war“, indem sie „war“ markierte und mit „gehörte“ überschrieb. Dann markierte sie „von“ und überschrieb es mit „zur“. Dabei übersah sie aber, dass auch „Teil“ hätte eliminiert werden müssen, und so entging diese Altlast der Entsorgung. Damit war ein Fehler entstanden, den nun keine gängige Rechtschreibprüfung mehr aufspüren kann.</p>
<p>Einerseits sind diese neuen Fehler, die mir gerade in Magazin- und Zeitungstexten dauernd begegnen, für uns Leser nervend, weil sie den Lesefluss unterbrechen und das inhaltliche Verständnis bremsen. Andererseits ergibt sich aus Fehlern wie diesem eine reizvolle Denksportaufgabe, wenn man den Ehrgeiz hat, ihre Entstehung zu rekonstruieren. So können selbst neuen Risiken des Fortschritts wieder einen Wert mit sich bringen – und sei ’s bloß der Unterhaltungswert.</p>
<p>[Nachbemerkung: Zur Ehrenrettung des <em>Spiegel</em> darf hier angemerkt werden, dass der Fehler bereits wenige Stunden nach der ersten Veröffentlichung des Beitrags bei <em>SpOn</em> berichtigt war: Das überzählige „Teil“ wurde entsorgt.]</p>
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		<title>Bücherdämmerung (IV)</title>
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		<pubDate>Wed, 06 Jul 2011 15:42:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Revierflaneur</dc:creator>
				<category><![CDATA[Babel]]></category>
		<category><![CDATA[Würfelwürfe]]></category>

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		<description><![CDATA[
Der Perlentaucher eröffnet seinen täglichen Newsletter bekanntlich stets mit einem „Zitat des Tages“. Liegt es nun daran, dass seinen Machern, die ja schließlich ihre Brötchen zu einem guten Teil mit Buchrezensionen verdienen, der Arsch auf Grundeis geht angesichts der vielstimmigen Untergangschoräle auf das Buch, dem das E-Book den Garaus machen soll, wenn die Taucher dieser [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.revierflaneur.de/wp-content/uploads/2011/07/buechrallergikerhandschug110706.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-6160" title="buechrallergikerhandschug110706" src="http://www.revierflaneur.de/wp-content/uploads/2011/07/buechrallergikerhandschug110706-400x158.jpg" alt="" width="400" height="158" /></a></p>
<p>Der <a href="http://www.perlentaucher.de/"><em>Perlentaucher</em></a> eröffnet seinen täglichen Newsletter bekanntlich stets mit einem „Zitat des Tages“. Liegt es nun daran, dass seinen Machern, die ja schließlich ihre Brötchen zu einem guten Teil mit Buchrezensionen verdienen, der Arsch auf Grundeis geht angesichts der vielstimmigen Untergangschoräle auf das Buch, dem das E-Book den Garaus machen soll, wenn die Taucher dieser Tage gleich zwei aphoristische Elogen auf das ehrwürdige Buch vom Grunde heraufholen?</p>
<p>Gestern durfte Gerhart Hauptmann dran glauben, dass der Mensch ohne das Buch wohl ein Nichts oder mindestens doch ein nichtswürdiges Etwas sei, indem er verlauten ließ: „Die Kultur der Menschheit besitzt nichts Ehrwürdigeres als das Buch, nichts Wunderbareres und nichts, das wichtiger wäre.“</p>
<p>Kann man sich vorstellen, dass Steve Jobs bei einer seiner legendären Präsentations-Veranstaltungen behaupten würde, die Kultur der Menschheit besitze nichts Ehrwürdigeres als das <em>iPad,</em> nichts Wunderbareres und nichts, das wichtiger wäre? Wohl kaum, denn eine solche Aussage schiene ihm gar nicht wünschenswert, trägt doch jede Innovation von Apple in sich schon den Keim zu einer weiteren, die sie überflügeln wird. Diese permanente Selbstüberflügelung mag etwas Wunderbares an sich haben, aber ehrwürdig ist sie sicher nicht.</p>
<p>Heute ist beim <em>Perlentaucher</em> Cicero dran mit dem Ausspruch: „Einem Haus eine Bibliothek hinzuzufügen heißt, dem Haus eine Seele zu geben.“ Das mag wohl mal im alten Rom ein erstrebenswertes Einrichtungsideal gewesen sein. Wie das Haus der Zukunft aussehen wird, hat uns Bill Gates erstmals 1994 in einer kühnen Utopie ausgemalt. Es ähnelt einer Rundum-Maschine, die zuallererst unserer Bequemlichkeit dienen soll. Nun ist das Bücherlesen, wie neulich noch <a href="http://www.revierflaneur.de/2011/06/25/bucherdammerung-iii/">Ruth Klüger überzeugend dargelegt</a> hat, alles andere als eine bequeme Angelegenheit. Vergleicht man es mit den Lieblingsbeschäftigungen der Generation Couch-Potatoe, dann kommt es nahezu einem Hochleistungssport gleich.</p>
<p>Und die gute Seele im Hause moderner Leute ist vorläufig noch eine steuerfrei beschäftigte Putzfrau aus Rumänien oder Thailand, der man zu ihren zahlreichen Reinigungsaufgaben nicht auch noch zumuten will, sinnlos herumstehende Bücherregale abzustauben. Zudem würde sie ein solcher Job am Ende noch dazu verführen, einen Blick zwischen Buchseiten zu tun, um dort solch aufrührerischen Unsinn zu lesen, wie dass die Würde des Menschen unantastbar sei und alle Menschen gleich geboren. Beim <em>iPad</em> gibt es gegen unbefugten Zugriff ein schlichtes Password. Allein schon deshalb muss es sich mittelfristig durchsetzen!</p>
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		<title>Geschützt: Bücherdämmerung (III)</title>
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		<pubDate>Sat, 25 Jun 2011 12:04:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Revierflaneur</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Würfelwürfe]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gibt keine Kurzfassung, da dies ein geschützter Artikel ist.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<form action="http://www.revierflaneur.de/wp-pass.php" method="post">
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		<title>Et vice versa?</title>
		<link>http://www.revierflaneur.de/2011/05/02/et-vice-versa/</link>
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		<pubDate>Mon, 02 May 2011 09:31:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Revierflaneur</dc:creator>
				<category><![CDATA[Babel]]></category>
		<category><![CDATA[Würfelwürfe]]></category>

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		<description><![CDATA[
Über den mir bis dahin völlig unbekannten serbischen Poeten Brana Crnčević las ich neulich aus Anlass seines Todes, dass er Alkoholiker gewesen sei „und auch deshalb zur kurzen Form neigte.“ (tens in: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 82 v. 7. April 2011, S. 35.) Dies scheint mir eine merkwürdige Begründung zu sein, die ich mir allenfalls [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.revierflaneur.de/wp-content/uploads/2011/05/dasgoldenereiskorn110502.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-5807" title="dasgoldenereiskorn110502" src="http://www.revierflaneur.de/wp-content/uploads/2011/05/dasgoldenereiskorn110502-400x219.jpg" alt="" width="400" height="219" /></a></p>
<p>Über den mir bis dahin völlig unbekannten serbischen Poeten Brana Crnčević las ich neulich aus Anlass seines Todes, dass er Alkoholiker gewesen sei „und auch deshalb zur kurzen Form neigte.“ (tens in: <em>Frankfurter Allgemeine Zeitung</em> Nr. 82 v. 7. April 2011, S. 35.) Dies scheint mir eine merkwürdige Begründung zu sein, die ich mir allenfalls auf Umwegen plausibel zu machen vermöchte. Oder soll ich annehmen, dass sich der Serbe an seinen Schreibtisch setzte, um ein Epos zu schreiben oder mindestens eine Ballade, mit der Rechten zur Feder griff und gleichzeitig mit der Linken zum Schnapsglas, sich einen hinter die Binde kippte und ein paar Worte zu Papier brachte – um dann alsbald mit dem Poetenhaupt aufs Pult zu knallen? Fertig ist der Aphorismus, und der Dichter ebenso? (Ebensowenig hielte der Umkehrschluss stand, dass die großen Meister der kleinen Form, die Lichtenberg, Kraus &amp; Lec, eine Neigung zur Flasche gehabt und die hochprozentige Weisheit ihrer Sprüche in der Neige des Glases gesucht oder gar gefunden hätten.)</p>
<p>Hieraus könnte man nun folgern, die Umkehrung einer unsinnigen Behauptung müsste stets neuen Unsinn hervorbringen. Würde mir etwa jemand unterstellen, dass ich auch deshalb blogge, weil ich die Um- und Widerstände scheue, die mit der Einreichung eines Textes bei einem ordentlichen Verlag verbunden sind, so wäre dies insofern eine unsinnige Behauptung, als ich mit einem überaus ordentlichen Verlag längst schon in Verbindung stehe, dort meine Texte – wenngleich nicht alle meine Blogtexte, dafür aber zahlreiche andere, die nicht in meinem Blog erscheinen – aufmerksam durchgesehen werden, mit dem gemeinsamen Ziel einer konventionellen Veröffentlichung zwischen Einbanddeckeln.</p>
<p>Nur zu wahr ist in diesem Fall aber leider der Umkehrschluss: dass heute jeder Stammler, der sich von kompetenten Lektorinnen und Lektoren seriöser Verlage hat sagen lassen müssen, mangels Kenntnissen und Talenten niemals einen publikationswürdigen Text hinzubekommen, wütend die Absageschreiben in den Schredder schob und – statt nun Imker, Call-Center-Agent oder Popstar zu werden – ungefragt ein eigenes Weblog aufgemacht hat, getreu dem Motto aller Trotzköpfchen: Jetzt erst recht!</p>
<p>Das ist nicht schlimm? Es müssen ja für dieses Gestammel keine Bäume dran glauben? Mag sein. Aber einerseits funktioniert bekanntlich auch das Internet keineswegs CO2-neutral. (Vor Jahren schon wurde ausgerechnet, dass jede <em>Google-</em>Suche soviel Energie verbraucht wie eine 11-Watt-Sparlampe in einer Stunde.)</p>
<p>Und andererseits wirkt sich diese Schlammlawine, dieser stinkende Abfallhaufen unlesbaren, geschweige denn genießbaren Gebrabbels verheerend fürs Image von Weblogs aus. Dabei gibt es doch in diesem Spreu-Himalaya durchaus das eine oder andere Weizenkorn! Blogs, die Beachtung verdienten – und vielleicht sogar Achtung. (Der Grund, warum ich mich gegen meine hartnäckigen Bedenken nun doch durchgerungen und eine <em>Blogroll</em> aufgemacht habe.)</p>
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		<title>Bücherdämmerung (II)</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Mar 2011 15:37:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Revierflaneur</dc:creator>
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Die ,Abschaffung‘ des gedruckten Buches bedeutet jedenfalls einen folgenschweren Bruch in der Kulturgeschichte des Menschen, auch wenn die unüberschaubar große Zahl der vorhandenen Bücher hiervon zunächst nicht betroffen sein wird und diese künftigen Antiquariatswaren jenen Generationen, die mit Büchern aus Papier aufgewachsen sind, vorübergehend Trost spenden mögen. Wenn aber, wie zu erwarten, die Leser ,echter‘ [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.revierflaneur.de/wp-content/uploads/2011/03/sternetristramshandy.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-5680" title="sternetristramshandy" src="http://www.revierflaneur.de/wp-content/uploads/2011/03/sternetristramshandy-288x300.jpg" alt="" width="288" height="300" /></a></p>
<p>Die ,Abschaffung‘ des gedruckten Buches bedeutet jedenfalls einen folgenschweren Bruch in der Kulturgeschichte des Menschen, auch wenn die unüberschaubar große Zahl der vorhandenen Bücher hiervon zunächst nicht betroffen sein wird und diese künftigen Antiquariatswaren jenen Generationen, die mit Büchern aus Papier aufgewachsen sind, vorübergehend Trost spenden mögen. Wenn aber, wie zu erwarten, die Leser ,echter‘ Bücher älter werden und schließlich aussterben, während zugleich auch keine neuen Bücher mehr hergestellt werden und die alten schließlich einen musealen Appeal annehmen, dann entsteht zwischen den Menschen der Zukunft und den Büchern der Vergangenheit unvermeidlich eine nie dagewesene Distanz, mit noch unabsehbaren Folgen für die Bildung unserer Nachkommen. Angesichts eines dermaßen einschneidenden Systemwechsels kann eine persönliche Stellungnahme, wie ich sie hier versuchen will, keinesfalls mehr beisteuern als ein paar sehr persönliche, von starken Gefühlen beeinflusste Gedanken.</p>
<p>Ich habe seit meiner Alphabetisierung vor einem knappen halben Jahrhundert wohl einige tausend Bücher gelesen. Ein paar von ihnen haben mich so stark beeindruckt, dass ich ohne sie sicher ein anderer Mensch geworden wäre. Etliche haben immerhin mein Bild von der Welt bereichert und meine Fähigkeit, mich sprachlich auszudrücken, entwickelt. Und schließlich gibt es noch eine große Menge von Büchern, die mir lediglich auf genussvolle Weise die Zeit vertrieben haben. Von deren Inhalt weiß ich heute kaum mehr etwas. Allenfalls wecken ihre Titel vage Empfindungen. Woran ich mich aber in jedem Falle noch erinnere, dass ist das äußere Erscheinungsbild dieser Bücher. Gegenwärtig ist meine Bibliothek, bedingt durch den letzten Umzug in eine wesentlich kleinere Wohnung, in ziemlicher Unordnung. Dennoch finde ich nahezu jedes gesuchte Buch relativ schnell, weil ich seine Größe, seine Dicke, die Farbe seines Einbands oder Schutzumschlags sehr genau im Gedächtnis habe. Solche erfolgreichen Buchfahndungen gelingen mir sogar dann, wenn ich weder den Namen des Autors noch den Titel parat habe.</p>
<p>Wenn ich eins meiner Buch lange Zeit nicht mehr zur Hand genommen habe, dann ist deshalb meine einst sehr innige Beziehung zu ihm keinesfalls erloschen. Sie bedarf lediglich einer Auffrischung. Und dies geschieht eben dadurch, dass ich es ganz körperlich, gegenständlich angreife und darin blättere, sein Gewicht empfinde, meine Besitzvermerke studiere, womöglich von mir selbst oder von anderen Lesern hineingelegte Zettel mit Notizen aufspüre, den Ursachen von Schadspuren nachsinne und durch die Vielfalt dieser sinnlichen Empfindungen ein starkes Band zu jener fernen Zeit knüpfe, als eben dieses Buch meine ungeteilte Aufmerksamkeit fand, Partner meines Denkens und Empfindens war für einen Tag, eine Woche oder einen Monat.</p>
<p>Manche Bücher gelten mir in einem ganz schlichten Sinne als unersetzlich, obwohl doch nahezu jedes Buch heutzutage dank der Internet-Antiquariate über kurz oder lang beschaffbar ist, soweit der Kaufpreis keine Rolle spielt. Wie kann das sein? Hier versagt meine Argumentationskraft und ich muss eingestehen, dass ich mich jenen Menschen, die Bücher für reproduzierbare Gegenstände ohne echte Individualität halten, vermutlich kaum werde erklären können. Nur so viel: Jene spezielle Ausgabe des <em>Tristram Shandy,</em> in der ich Sternes Meisterwerk zum ersten Mal las [s. Titelbild], ist weder schön, noch selten, noch handelt es sich um eine besonders gute Übersetzung. Dennoch würde ich sie für kein Geld der Welt hergeben. Da ich aber weiß, dass dies nur so dahingesagt ist und ich mich in einer schweren Notlage vermutlich doch von diesem Büchlein trennen würde, füge ich hinzu, dass ich einen solchen Verlust gewiss niemals verwinden würde.</p>
<p>Nun höre ich in Gedanken den allerdings nicht eben abwegigen Einwand, dass ich hier nichts anderes beschrieben habe als eine vielleicht günstigenfalls besonders erlesene Form von Fetischismus, also eines krankhaften Hingezogenseins zu einer bestimmten Art von toten Gegenständen. Das mag sein, ich will dies gar nicht in Abrede stellen, allerdings unter der Voraussetzung, dass mein Kritiker den edlen Nutzen dieser Leidenschaft recht zu würdigen weiß und gebührend in Betracht zieht. Immerhin behaupte ich, dass keine andere Sammelleidenschaft als eben die von Büchern durch ihren Gegenstand eine solche Weitung des Bewusstseins ermöglicht – vorausgesetzt natürlich, dass die Bibliophilie sich nicht darin erschöpft, die schönen Dinge Rücken an Rücken in den Schrank zu stellen, sondern ihre wahre Erfüllung erst findet, wenn sie die Objekte ihres Begehrens ihrer eigentlichen Bestimmung zuführt: dem Lesen.</p>
<p>[Wird fortgesetzt.]</p>
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		<title>Bücherdämmerung (I)</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Mar 2011 16:47:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Revierflaneur</dc:creator>
				<category><![CDATA[Babel]]></category>
		<category><![CDATA[Würfelwürfe]]></category>

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In den USA verkauft der Medienversandhändler Amazon mittlerweile mehr E-Books für sein Kindle als gedruckte Bücher. Auch hierzulande lautet die Prognose, dass die Tage des traditionellen Buchhandels damit gezählt sind. Wenn schon in den letzten fünfzehn Jahren immer mehr Lesestoff vom heimischen PC aus zur Lieferung frei Haus bestellt wurde, so wird es erst recht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.revierflaneur.de/wp-content/uploads/2011/03/bibliothekvondraussenbetrachtet.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-5663" title="bibliothekvondraussenbetrachtet" src="http://www.revierflaneur.de/wp-content/uploads/2011/03/bibliothekvondraussenbetrachtet-400x256.jpg" alt="" width="400" height="256" /></a></p>
<p>In den USA verkauft der Medienversandhändler Amazon mittlerweile mehr E-Books für sein <em>Kindle</em> als gedruckte Bücher. Auch hierzulande lautet die Prognose, dass die Tage des traditionellen Buchhandels damit gezählt sind. Wenn schon in den letzten fünfzehn Jahren immer mehr Lesestoff vom heimischen PC aus zur Lieferung frei Haus bestellt wurde, so wird es erst recht für die <em>Kindle-</em>Leser von morgen keine Veranlassung mehr geben, die Daten für ihre Lesegeräte in einem stationären Geschäft abzuholen. Es ist reinste Tränenvergeudung, deswegen nun ein kulturpessimistisches Wehklagen anzustimmen. Immerhin kann es aber sinnvoll sein darüber nachzudenken, welche Konsequenzen dieses Umsatteln auf den neuen Datenträger für unseren Umgang mit schriftlichen Informationen künftig haben kann.</p>
<p>Wenn die beiden konkreten Gegenstände – das möglicherweise dicke Buch aus Papier im Einband zum Blättern einerseits, die möglichst dünne Metallscheibe mit Bildfläche, Stromversorgung und Datenanschluss andererseits – miteinander verglichen werden, dann klingen die Vorzüge, die fürs Buch genannt werden, meist nach kauziger Liebhaberei, die mit den eigentlichen Gründen, die uns zum Lesen treiben, wenig zu tun haben. So ist etwa immer wieder vom ,Haptischen‘ die Rede, das angeblich nur ein ,richtiges‘ Buch vermitteln könne und das doch so wesentlich sei für den wahren Buchgenuss. Kommt es mir so vor, oder ist dieses Fremdwort für Tasteindrücke erst unters Volk gekommen, seit es dem Buch ans Leder geht? Welcher Verlust genau wird denn da beschworen und schon vorab bedauert? Die Schwierigkeit, ihn konkret zu benennen, führt zu komischen Verrenkungen, wenn etwa der Direktor der Universitäts-Bibliothek Leipzig, Ulrich Johannes Schneider, in einem Interview Wesentliche des Buches so erklärt: „Also, in der Tat, denke ich, ist die dreidimensionale Form des Buches, dass man da mit den Fingern mitten rein greifen kann, dass man sofort im Gefühl hat, wenn man auf Seite 30 ist, weiß man, ob es noch 300 Seiten sind, die folgen, oder 10. Also diese Art zu navigieren, gleichzeitig mit den Händen, mit den Augen, mit dem Kopf, das ist nicht reproduzierbar, in diesen elektronischen Geräten.“ (Dieter Kassel: <em>Elektronische Bücher verändern das Lesen;</em> <a href="http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/820671/">Interview im <em>deutschlandradio kultur</em></a> v. 23. Juli 2008.)</p>
<p>Wenn es nicht mehr wäre, auf das wir nach dem Verschwinden der Bücher verzichten müssten, als das ,Reingreifen mit den Fingern in die Seiten‘, eine ja schon fast obszön anmutende Beschreibung des doch so keuschen Blätterns in Büchern, dann wäre uns ja dieser wohl unabwendbare Verlust kaum ein Schulterzucken wert.</p>
<p>Stirbt das Buch bald aus? Diese Frage wird in den letzten Jahren immer mal wieder gestellt, um ein, zwei Seiten der Wochenendbeilagen überregionaler Tageszeitungen zu füllen, wie zuletzt wieder am vergangenen Wochenende in der <em>Süddeutschen.</em> (Rebecca Casati / Gabriela Herpell: <em>Es muss krachen;</em> in: <em>SZ</em> Nr. 53 v. 5./6. März 2011, S. V2/1.) Die Antworten, die die Spezialisten geben – und wer fühlt sich nicht alles berufen zum Spezialisten in Sachen ,Zukunft des Buches‘! –, sind erschreckend eintönig, laufen sie doch allesamt auf die immer gleiche Prognose hinaus: Die Ablösung des traditionellen Buches durch das E-Book ist nur eine Frage der Zeit; das Buch aus Papier wird aber sicher noch ein respektables Nischendasein führen dürfen. Der Umgang mit Texten und das Lesen werden sich dadurch gewiss wandeln, aber die Folgen dieser Umwälzungen sind noch nicht abzusehen.</p>
<p>Wieviele Bücher mag es wohl in diesem Augenblick auf der Erde geben? <em>Google</em> hat im Sommer 2010 die <a href="http://booksearch.blogspot.com/2010/08/books-of-world-stand-up-and-be-counted.html">Zahl aller Buchtitel</a> ermittelt und gibt sie mit 129.864.880 an. Wenn wir erstens vorsichtig unterstellen, dass die durchschnittliche Auflagenhöhe eines Buchtitels 2.000 Exemplare beträgt, und zweitens davon ausgehen, dass die Hälfte aller Bücher im Laufe der Jahre und Jahrhunderte zerstört wurden, dann gibt es heute ziemlich genau 65 Milliarden Bücher weltweit, knapp zehn Bücher für jeden Menschen. Seit Johannes Gutenbergs Geniestreich ist die Zahl der Bücher ununterbrochen gestiegen. Wenn die Vorhersagen zutreffen, dann wird dies in wenigen Jahren erstmals nicht mehr der Fall sein. Zwar werden weiterhin Texte entstehen, wie sie bisher in Buchform verbreitet wurden. Doch ihr Dasein wird an eine andere Materialität geknüpft sein als bisher. Es ist wohl angebracht, angesichts eines solchen gigantischen Umbruchs etwas hartnäckiger nach den Konseuqnzen zu fragen, die das womöglich für uns Lesende hat.</p>
<p>[Wird fortgesetzt.]</p>
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		<title>ScanPlag 1.0</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Feb 2011 17:53:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Revierflaneur</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Würfelwürfe]]></category>

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		<description><![CDATA[
Warum ist eigentlich noch niemand auf die Idee gekommen, der Verlegenheit unseres Verteidigungsministers vor der Abgabe seiner mit so viel Fleiß verfertigten Promotionsschrift mit einem pfiffigen kleinen Suchprogramm abzuhelfen?
Die Sache verhält sich doch folgendermaßen. Bis zur Entwicklung der PCs mit moderner Textverarbeitung Mitte der 1980er Jahre und des Internet wenige Jahre später hatten Plagiatoren wenig [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.revierflaneur.de/wp-content/uploads/2011/02/woherhabeichdiesensatz.jpg"><img class="alignnone size-medium wp-image-5552" title="woherhabeichdiesensatz" src="http://www.revierflaneur.de/wp-content/uploads/2011/02/woherhabeichdiesensatz-400x209.jpg" alt="woherhabeichdiesensatz" width="400" height="209" /></a></p>
<p>Warum ist eigentlich noch niemand auf die Idee gekommen, der Verlegenheit unseres Verteidigungsministers vor der Abgabe seiner mit so viel Fleiß verfertigten Promotionsschrift mit einem pfiffigen kleinen Suchprogramm abzuhelfen?</p>
<p>Die Sache verhält sich doch folgendermaßen. Bis zur Entwicklung der PCs mit moderner Textverarbeitung Mitte der 1980er Jahre und des Internet wenige Jahre später hatten Plagiatoren wenig zu fürchten. Höchstens durch einen dummen Zufall konnte ihnen ein aufmerksamer Leser auf die Schliche kommen. Nun aber ist es für jeden Hobbydetektiv ein Leichtes, Abschreiber zu entlarven. Wenn ich zum Beispiel einen markanten Satz aus einem meiner letzten Blogbeiträge ins Suchfenster von <em>Google</em> eingebe, wie etwa „Es ist, als legte er sich die Schlange des Äskulap um den Hals, mit seiner Todesverachtung kokettierend, und weidete sich an unserem Entsetzen“, dann bekomme ich augenblicklich <a href="http://www.google.de/search?hl=de&amp;gbv=2&amp;q=Es+ist%2C+als+legte+er+sich+die+Schlange+des+%C3%84skulap+um+den+Hals%2C+mit+seiner+Todesverachtung+kokettierend%2C+und+weidete+sich+an+unserem+Entsetzen&amp;btnG=Suche&amp;aq=f&amp;aqi=&amp;aql=&amp;oq=">die einzige passende Belegstelle</a> im World Wide Web geliefert – nämlich meine eigene.</p>
<p>Genauso ging Andreas Fischer-Lescano am vergangenen Samstagabend vor, als er bei einem Glas argentinischen Rotwein die Probe aufs Exempel machte, ob denn die Doktorarbeit des Juristen Karl-Theodor zu Guttenberg, <em>Verfassung und Verfassungsvertrag. Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU,</em> eine redliche Eigenleistung sei. Nach wenigen Stichproben wurde er zu seiner eigenen Überraschung fündig. Der Verteidigungsminister hatte offenbar etliche Textpassagen nahezu wortwörtlich aus fremden Werken übernommen, ohne sie als Zitate kenntlich zu machen. (Roland Preuß: <em>Ein Abend in Berlin;</em> in: <em>Süddeutsche Zeitung</em> Nr. 38 v. 16. Februar 2011, S. 2.) Der vermeintliche Plagiator tat, was jeder in seiner peinlichen Lage tun würde: Er leugnete jedwede böse Absicht und beteuerte, dass die Unterlassung von ein paar Quellennachweisen allein durch Flüchtigkeit verursacht und damit zu entschuldigen sei. Schließlich sei die Arbeit neben seiner „Berufs- und Abgeordnetentätigkeit als junger Familienvater in mühevoller Kleinstarbeit“ entstanden, so zu Guttenberg <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/plagiatsvorwuerfe-gegen-guttenberg-er-hat-es-mindestens-mal-gemacht-1.1062139">heute</a> wörtlich.</p>
<p>Gesetzt den Fall, und wer wollte daran ernsthaft zweifeln, der Bundesverteidigungsminister sagt die lautere Wahrheit. Was hätte ihn dann vor diesem unglückseligen Fauxpas bewahren können? Vielleicht ein kleines Textverarbeitungsmodul, das folgendermaßen funktioniert. Es zerlegt Textdateien beliebigen Umfangs in Satzfragmente von jeweils ein bis zwei Dutzend Wörtern und schickt sie automatisch durch die <em>Google-</em>Suche. Dabei beschränkt es sich auf Text, der nicht in Anführungszeichen gesetzt ist. Ermittelt das Suchprogramm auffällige Übereinstimmungen mit fremden Texten, empfiehlt sie dem Autor die betreffenden Passagen zur Überprüfung. Er hat dann die Wahl, sie entweder als Zitate auszuweisen oder so umzuformulieren, dass ihre Herkunft nicht mehr ermittelbar ist. Ein solches Programm würde hinfort selbstverständlich nicht nur von Doktoranden angewandt, die vermeiden wollen, in die Bredouille zu kommen, in die sich der arglose Karl-Theodor zu Guttenberg gebracht hat. Vielmehr würden auch die Mitglieder der Prüfungskommissionen ein solches Werkzeug sehr zu schätzen wissen. Sie entgingen mit seiner Hilfe dem Vorwurf, nicht gründlich genug geprüft zu haben. Täuschungsversuche kämen nicht mehr vor, Flüchtigkeitsfehler ebensowenig. Und wer zu faul oder zu dumm wäre, als Doktorand diese <em>ScanPlag-</em>Software anzuwenden, der hätte den Titel wirklich nicht verdient.</p>
<p>Mit dem Patent zu einem solchen Suchprogramm könnte sein findiger Entwickler vielleicht reich werden. Und wenn er ganz schlau wäre, dann verkaufte er bald noch ein Update, das jedes beliebige Zitat durch syntaktische Umstellungen und Austausch synonymer Begriffe formal so verändert, dass es nicht mehr identifizierbar ist, ohne freilich seinen Sinn zu verändern.</p>
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