Sonntag, 8. Januar 2012

Vom leidenschaftlichen Cineasten, der ich seit meinem 16. Lebensjahr war, habe ich mich zuletzt in wenigen Jahren zum Filmverächter gewandelt. Noch immer kann ich es kaum fassen, dass mich offenbar tatsächlich kein Film mehr zu begeistern vermag. Immer wieder einmal mache ich einen Versuch, gebe dem Drängen von Freunden nach, probiere ich diese und jene eindringliche Empfehlung aus. Und stets aufs Neue bin ich enttäuscht, finde meine ärgsten Befürchtungen bestätigt. Dabei beschränkt sich meine Aversion durchaus nicht auf neue Filme. Selbst berühmte Klassiker, die wenigen, die ich noch nicht kannte, können mich nicht gewinnen. Und auch die einst mit solcher Inbrunst verehrten Lieblingsfilme, die in meiner Erinnerung herrlich strahlten, erweisen sich beim Wiedersehen nach so langer Zeit als merkwürdig verblasst, sind nicht mehr ernst zu nehmen. Besonders enervierend erscheint mir übrigens, eine Nebenbeobachtung, die Musik im Film. Diese abgeschmackte „Untermalung“ von Stimmungen, Spannungen, Gestik und Mimik habe ich früher wohl gar nicht bewusst wahrgenommen, so selbstverständlich schien sie mir. Nun löst die Tonspur sich aus dem Zusammenhang, das Getöse tritt mir isoliert entgegen, nahezu stets als alberne Effekthascherei, ganz und gar unerträglich! Mag sein, dass ich überkritisch bin, aber ich kann mich beim besten Willen nicht mehr zu einer Toleranz überreden, aus der ich unwiderruflich herausgewachsen bin. Das ist bedauerlich, doch nicht zu ändern.

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