Kleines 1×1 der Buchbeschreibung (VII)

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Werke des Geistes nach quantitativen Gesichtspunkten zu beurteilen, das kann nur einem Banausen in den Sinn kommen. Vielleicht fährt ein solcher gerade deshalb alljährlich nach Bayreuth, weil die Wagner-Opern „so imposant lang“ sind. Da hat man doch was für sein Geld! Und beim Flächengigantismus der Malerei des zu Ende gehenden Jahrzehnts fragt man sich ebenfalls, ob diese Quadratmeterprotzerei sich nicht bloß einer neureichen Klientel andienen will, die mangels ästhetischer Argumente die Auswahl ihres Wandschmucks damit begründet, dass sie die riesigen Wände in ihren Villen „schließlich irgendwie vollkriegen“ muss.

Beim Buch hingegen kommt selbst der kulturloseste Einfaltspinsel kaum auf den Gedanken, dass sein Wert sich an der Zahl der Seiten ablesen ließe. Allenfalls in jener fernen Zeit, als die Alphabetisierung der Bevölkerung sich noch auf eine kleine Minderheit beschränkte, konnte der große Rest des Volks die Bibel allein schon deshalb für das ,Buch der Bücher‘ halten, weil sie nun mal eine besonders dicke Schwarte ist. Ich habe hier und dort bereits ein paar Gedanken zum dicken Buch in unserer Zeit geäußert. Nun geht es um den Umfang unterm Gesichtspunkt einer quantitativen Bemessungsgröße, ohne jede inhaltliche Wertsetzung.

Man kann die prinzipielle Frage stellen, wieviele Seiten denn mindestens zusammengebunden sein müssen, damit das Ergebnis überhaupt als Buch bezeichnet werden kann. Üblicherweise nennt man acht oder sechzehn oder auch zweiunddreißig Seiten im Verbund, in dieser Größenordnung meist bloß durch Metallklammern zusammengehalten, eher Heft als Buch. Solche Gebilde haben in der Regel keinen festen, sondern einen flexiblen, biegsamen Einband. Doch auch tausend Seiten dicke Bücher kommen heute flexibel gebunden auf den Markt. Es käme aber wohl niemand auf den Gedanken, einen solchen schwergewichtigen Band ein Heft zu nennen. Also müssen wir uns damit begnügen, dass die terminologisch Abgrenzung des Buches nach quantitativen Kriterien unscharf bleibt.

Immerhin kann man aber bei jedem Buch die Seitenzahl unzweideutig präzis angeben, wenngleich auch hier ein paar Tücken lauern und der Antiquar Vorsicht walten lassen muss, damit ihm keine Ungenauigkeiten oder gar Fehler unterlaufen. So genügt es beispielsweise nicht, hinten im Buch nach der letzten gedruckten Seitenzahl Ausschau zu halten und allenfalls noch die paar eventuell folgenden, nicht nummerierten Seiten hinzuzuzählen. Gerade bei älteren Büchern kommt es vor, dass ein vorgeschalteter Teil – bestehend z. B. aus dem Vorwort, einer Einleitung, Widmungen, dem Inhaltsverzeichnis etc. – mit römischen Zahlen versehen wird, bevor die arabische Paginierung des ,eigentlichen‘ Werkes beginnt. (Vollständig römisch paginierte Bücher sind hingegen sehr selten; s. Titelbild.) Sodann sind oft Abbildungen im Buch verstreut, die auf einem besonderen Kunstdruckpapier wiedergegeben werden. Diese Blätter fallen meist aus der durchgehenden Seitenzählung heraus und sollten gesondert erwähnt werden. Und schließlich ist es üblich, dass nicht mehr zum eigentlichen Inhalt gehörige Seiten am Schluss, welche der Verlag häufig zu Werbezwecken nutzt, getrennt angegeben werden.

Eine genaue Angabe des Umfangs eines Buches sieht dann zum Beispiel so aus: XVI & 356 & 12 S. & 16 unpag. Kunstdruck-Taf. m. 22 ungez. Abb.

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