Was’n das?

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Ich bin noch ganz verdattert. Was ist passiert? Seit nahezu zwei Jahren blogge ich jetzt hier still und heimlich vor mich hin und habe mich längst daran gewöhnt, dass meine Anklagen, Stimmungsbilder, Strafpredigten, Jammerarien und Lobeshymnen kaum einmal Resonanz finden; und wenn, dann kommt sie von ein paar versprengten Sympathisanten, die mir noch aus der Zeit meiner Westropolis-Hospitanz verbunden sind und mich gelegentlich aufmuntern zu müssen meinen.

Und jetzt das! Auf eine eher beiläufig hererzählte Episode aus meinem destabilisierten Alltag hin geht unvermittelt ein warmer Regen durchweg freundlicher Kommentare nieder, von Hansi, Hoshi, amo, saba, Mata, Ole, Paco, ch, Horst, JanDob, Julian, Brandbarth, Gerd, Leo, jules nut, Bernd das Brot, Oliver, docmed, mailo, Brent und Andi – lauter Menschen, die sich hier bisher noch nie haben vernehmen lassen. (Oder doch höchstens ganz selten einmal.)

Was hat das kleine Geschichtchen bloß an sich, dass es plötzlich einen solchen Applaus auslöst und seine Leser gar – das Wort ist nicht von mir – zu einer gründlichen Exegese veranlasst? Zu Pfennigfuchsereien garadezu? Oder gibt es vielleicht in der Blogosphäre irgendwelche Multiplikations-Mechanismen, die eine Flüsterpropaganda nach dem Schneeballprinzip in Gang setzen? Der Vorgang ist mir jedenfalls einigermaßen unheimlich.

Schon ertappe ich mich bei dem offenbar von schierer Eitelkeit erkitzelten Einfall, hier künftig in schöner Regelmäßigkeit ähnliche Alltäglichkeiten unter die Lupe zu nehmen, wie etwa: Was mir unlängst vor den Altglascontainern widerfuhr; Traurige Beobachtungen am Rande des diesjährigen Karnevalszugs; Wie mich die Zeuginnen Jehovas zum allerletzten Mal besuchten; „Würden Sie vielleicht eine Obdachlosenzeitung erstehen, der Herr?“; Stammgäste bei Starbucks usw. Aus dem Stegreif würden mir wohl zwei Dutzend ähnlich ergiebige Geschichtchen einfallen.

Aber will ich das? Ich weiß nicht so recht. Erfolg war mir immer schon verdächtig. Komplimente korrumpieren ja leicht. Immerhin mag ein wenig Zuspruch alle paar Jahre vielleicht noch hingehen. Und wenn er überhandnimmt, ist es mir bekanntlich ein Leichtes, die Gäste schleunigst wieder aus dem Haus zu ekeln. Vielleicht darf ich das Experiment wagen. Die neue Kategorie soll also Alltäglichkeiten heißen.

6 Responses to “Was’n das?”

  1. Felix Says:

    Hast Du wirklich noch nicht herausgefunden, dass Dein Beitrag im BILDblog in der Kategorie 6vor9 verlinkt wurde? Von da komme ich auch her …

  2. Edmund Says:

    Ich will dich gern erleuchten: Der Bildblog hat auf deinen Beitrag zum Bäcker verlinkt. http://www.bildblog.de – Das hat dir einigen Verkehr eingebracht ^^ Und da du jetzt ein paar Leser hast, die auf den Blog hier aufmerksam geworden sind, sieh zu, dass du sie bei Laune hältst :)

    Lieben Gruss,
    Edmund

  3. Revierflaneur Says:

    Ach, so ist das. Und ich soll also ab sofort jemanden “bei Laune halten”. Da geht es schon los. Ich kann mich ja noch nicht mal selbst “bei Laune halten”.

  4. Martin Says:

    Um den vielleicht orbitant gestiegenen Zulauf zu erklären, ich bin auch von der “bildblog”-Seite hierher gekommen. Aber entnehme ich den oberen Beiträgen, dass sie ohne zu fragen verlinkt haben? Ts ts ts…;-)

  5. Zaibatsu Says:

    Ja, auch ich habe mich hierhin über BILDblog verirrt.

  6. GL Says:

    Ich finde, Du solltest das auf jeden Fall wagen!

    Mir waren die alltäglichen Geschichten von Dir schon immer die liebsten, auch wenn ich keinen Kommentar geschrieben habe.

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