Voll Kwango

hyänen

Im Zoo von Münster lebt ein Gorilla namens N’Kwango (* 1996). So stark er ist, hat er doch ein weiches Herz. Wenn Fatima (* 1973) traurig ist, schmilzt N’Kwangos Herz hinter dem hammerharten Brustkasten und er versucht, sie zu trösten. Das sieht dann so aus. Warum Fatima traurig ist, wissen wir nicht, können da nur mutmaßen. Vielleicht, weil sie den Tod ihrer Schwester Gana (1998-2010) nicht verkraftet hat?

Wenn man in Essen ungewöhnliche Begegnungen mit Tieren haben will, geht man ins Folkwang-Museum. Die Zeiten, als es im Essener Grugapark noch einen Affenfelsen, ein Seehundbecken und ein imposantes Aquarium samt Terrarium gab, sind längst Geschichte. Noch nicht ganz so lange zurück liegt aber die Folkwang-Ausstellung Das fotografierte Tier. Und unvergessen ist mein Eindruck von der privaten Führung, die mein alter Freund Jürgen Lechtreck als Kurator dieses modernen „Bestariums im Rahmen und hinter Glas“ für mich und meinen ältesten Sohn im Dezember 2005 veranstaltet hat.

Heute habe ich mir den gerade eröffneten Neubau des Museum Folkwang [siehe hierzu die Kommentare] angeschaut. Ein großformatiges, zwanzigseitiges Heft Eröffnung des Neubaus wird am Empfang kostenlos ausgegeben. Darin und in allen anderen Verlautbarungen, die mir bisher zu Gesicht gekommen sind, ist die adjektivische Dopplung „hell und licht“ besonders beliebt zur Beschreibung der Qualitäten dieses Bauwerks von David Chipperfield. Und was sieht man an den teuren Wänden, in den edlen Hallen? Die Zusammenstellung von Werkgruppen und Installationen der Gegenwartskunst schien mir etwas willkürlich. Immerhin war ich froh, Gerhard Richters Wolkenbild Nr. 265 endlich einmal wiederzusehen. Es hängt jetzt in Augenhöhe des Betrachters, somit viel tiefer als früher, wo es in dem großen Saal mit dem Calder-Mobile unerreichbar entrückt schien – wie Wolken ja üblicherweise auch zu sein pflegen. Hier nun kommt es mir kleiner vor als in meiner Erinnerung. Soll das so bleiben? Bitte nicht!

Eine angenehme Überraschung boten hingegen die drei kleinen Ausstellungen Raumeroberungen (mit Plakaten von Günther Kieser, Holger Matthies und Gunter Rambow), Wünsche und Erwerbungen (mit zeitgenössischen Zeichnungen) und insbesondere die imponierende Zusammenstellung von Porträts unter dem Titel Fotografie und Individuum. Wieder einmal konnte man sich überzeugen, welch großartige Sammlung Ute Eskildsen hier in den vergangen drei Jahrzehnten zusammengetragen hat. Ich wäre sofort bereit gewesen, einen Katalog mit den Fotos dieser Teilausstellung zu erwerben, musste aber mit Bedauern zur Kenntnis nehmen, dass es einen solchen nicht gibt. – Somit ist ein Besuch dieser Ausstellung (bis zum 4. April) nicht nur empfehlenswert, sondern dringend geboten: Go to Folkwang! (Eintritt 5 Euro.)

Auch heute entdeckte ich übrigens wieder ungewöhnliche Tierfotos, diesmal im Rahmen verschiedener Serien mit Schausteller-Porträts. Unvergleichlich schienen mir die Farbfotos mit nigerianischen Hyänenführern von Pieter Hugo [Titelbild aus seinem Bildband The Hyena & Other Men © Pestel Verlag]. Hatte ich nicht eine dieser Hyänen auch im Eröffnungsprospekt gesehen? Ich blätterte und suchte und kam zu dem Ergebnis, dass ich mich da wohl von ganz oberflächlichen Ähnlichkeiten hatte täuschen lassen. Übrigens sind Hyänen ja im Allgemeinen viel harmloser, als ihr schlechter Ruf uns glauben machen will.

2 Responses to “Voll Kwango”

  1. Arvid Says:

    “Neubau des Museum Folkwang”? Auch, wenn das Folkwang-Marketing uns das auf diversen Plakaten und Websites anders weismachen will, ist “Museum” immer noch ein stinknormales Nomen und hat damit auch den Genitiv verdient – “Markenname” hin oder her.

    Oder fahren Sie etwa mit Die Bahn oder nutzen die Waschkraft des Weißer Riese?

  2. Revierflaneur Says:

    Tatsächlich hatte ich hier zuerst “Neubau des Museums Folkwang” stehen, obwohl es im hochoffiziellen Prospekt des Museums mehrfach “Neubau des Museum Folkwang” heißt. Ich verwende oben ja auch den Ausdruck Folkwang-Museum, den ich sowieso besser weil unprätentiöser finde. Da würde ich natürlich immer “des Folkwang-Museums” schreiben. Die Gesellschaft für Deutsche Sprache und die Duden-Redaktion sind mit Ihnen einer Meinung: Auch ein Name wie “Museum Folkwang” sollte gebeugt werden. Warum tat ich’s dann doch nicht und schloss mich den Marketing-Hanseln und -Greteln an?

    Ein Erklärungsversuch. Es gibt ja noch einen Streit um den Genitiv bei Namen, was nämlich den aus dem englischsprachigen Raum entlehnten Apostroph betrifft: “Hansi’s Würstchenbude”. Dagegen habe ich als Lektor und Korrektor jahrelang gekämpft – und seit 2006 ist dies nun kein Fehler mehr (§ 97 E der amtlichen Regelung der deutschen Rechtschreibung). Nach anfänglicher Empörung musste ich zugeben, dass nun mein Seelenheil auch nicht davon abhängt. Und die amüsierte Besserwisserei vor den abertausend falschen Würstchenbudenschildern ist doch irgendwann auch reichlich spießig, oder? Sprache und Schrift wandeln sich durch Gebrauch, manchmal auch durch falschen Gebrauch, da können wir Puristen noch so laut und ausdauernd zetermordio schreien.

    Zufällig las ich gerade in einem Artikel über die Kampagne Deutsch – Sprache der Ideen (von Thomas Steinfeld in der SZ): ” Es ist, wenn die Muttersprache gelobt wird, schnell ein Ruf nach Ordnung und ein Verlangen nach dem strengen Lehrer da – und der unangenehme Ton von Vorschrift und Regel, von Pflicht und Zensur, von Nachhilfe und gefährdeter Versetzung. Der Journalist Bastian Sick, auch er ein ebenso leidenschaftlicher wie im Zweifelsfall halbgebildeter Liebhaber der deutschen Sprache, gibt diesen Lehrer in seiner modernen, scheinbar aufgeklärten Variante.”

    Damit Sie mich nicht missverstehen: Mir liegt es sehr am Herzen, hier möglichst fehlerfreie Texte abzuliefern und ich bin für jeden Korrekturhinweis dankbar. Wenn die formalen Fragen aber ganz in den Vordergrund treten, steige ich aus.

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