Antiquariat (I)

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Noch eine Neuigkeit fürs neue Jahr ist bekannt zu machen: Seit dem 1. Januar 2010 bin ich Inhaber eines Gewerbebetriebs, da ich zu diesem Termin am 14. Dezember 2009 bei der Gewerbemeldestelle im 17. Obergeschoss des Essener Rathauses ein Gewerbe nach § 14 GewO angemeldet und die hierfür fällige Gebühr in Höhe von 20,00 € entrichtet habe. Die angemeldete Tätigkeit ist „Einzelhandel mit antiquarischen Büchern über das Internet“.

Für dieses neue Tätigkeitsfeld muss ich hier eine Kategorie nicht eigens anlegen, ich setze fort, was ich zaghaft schon unter „Bibliotheca Curiosa“ begonnen habe. Indem ich mich öffentlich von meinen Büchern trenne, lasse ich ihnen zum Abschied allerletzte Gerechtigkeit widerfahren.

Eben habe ich die „Bekenntnisse eines Bibliomanen“ gelesen, in denen ich mich vielfach spiegeln konnte, wenngleich ich nicht in allen Punkten mit ihrem Autor übereinstimme. Auch der Totalausverkauf von Privatbibliotheken wird thematisiert: „Gelegentlich kommt es vor, dass ein Bibliomane beschließt, all seine Bücher zu verkaufen. [Christian] Galantaris erwähnt [1998 in seinem Manuel du bibliophile] zwei Fälle von Bibliomanen, die ihre Bücher bei der von ihnen selbst organisierten Versteigerung wie unter Zwang zu hohen Preisen zurückkauften: Graf von Bédoyère und Baron Jérome Pichon. Letzterer verbrachte die letzten siebzehn Jahre seines Lebens damit, jene Bücher aufzuspüren und zurückzukaufen, die ihm am Tag der Versteigerung trotz aller Bemühungen abhanden gekommen waren.“ (Jacques Bonnet: Meine vielseitigen Geliebten. A. d. Frz. v. Elisabeth Liebl. München: Droemer Verlag, 2009, S. 141.) Ich bin dennoch zuversichtlich, dass ich mich von vier Fünfteln meines Bestandes trennen kann, ohne einen wirklichen Verlust zu empfinden. Und wenn ich tatsächlich ausnahmsweise einmal bereuen sollte, mich von einem Buch getrennt zu haben, so dürfte es dank ZVAB in aller Regel ohne große Umstände und Kosten wiederzubeschaffen sein.

Bonnet zitiert auch einen Ausspruch von Jules Janin (1804-1874): „Wer in einer einzigen Stunde alle Leiden dieser Welt erfahren möchte, muss nur eines tun: seine Bücher verkaufen.“ Ich kannte bisher nur jenen ganz ähnlichen Satz, den Alexander von Humboldt (1769-1859) zu Protokoll gegeben haben soll: „Wer die Qualen der Hölle schon auf Erden kennen lernen will: der verkaufe seine Bibliothek!“ (Arno Schmidt: Müller oder vom Gehirntier; in: Tina oder über die Unsterblichkeit. Frankfurt am Main u. Hamburg: Fischer Bücherei, 1966, S. 55.)

Doch auch dieses Menetekel kann mich nicht erschrecken. Erstens will ich ja nicht meine ganze Bibliothek verkaufen, sondern nur einen – wenngleich erheblichen – Teil. Dieser Abbau hinterlässt keine Ruine, sondern sorgt im Gegenteil dafür, dass der zentrale Prunkbau freigelegt wird, um in seiner ungetrübten Pracht nur desto herrlicher erstrahlen zu können. Und zweitens soll diese große Veräußerung ja Schritt für Schritt dokumentiert werden. Nein, ein Bibliomane bin ich wohl bei aller Sammelwut doch nicht. Allerdings stelle ich mir vor, einen Teil des Verkaufserlöses in Zukäufe zu reinvestieren. Und ich kann nicht leugnen, dass es die Aussicht auf den Zukauf echter Desiderata meiner Sammlung ist, der mich am stärksten zu diesem Geschäft motiviert.

[Fortsetzung: Antiquariat (II).]

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