Letzter Umzug

Nach gezählten siebzig Tagen und einer gefühlten drei viertel Ewigkeit bin ich wieder daheim in meinem Weblog. Unterdessen war ich mit allerlei Verrichtungen befasst, die so gar nicht zum Repertoir meiner erprobten Fähigkeiten und erwiesenen Begabungen gehören, die meistenteils Anstrengungen ungeübter Muskeln, Knochen und Gelenke erforderten und deren erfolgreiche Bewältigung eine motorische Geschicklichkeit der Extremitäten voraussetzte, über die ich allenfalls in den vordersten Gliedern meiner Schreibfinger gebiete. Das Abenteuer, das mir solche Schindereien abverlangte, hört auf den harmlosen Namen Umzug.

Wenn Benjamin Franklin 1757 in Poor Richard’s Almanack den Stoßseufzer zum Himmel schickte, Three removes are as bad as a fire!, dann scheint mir dies nach den Erfahrungen der vergangenen Wochen noch untertrieben. Dieser Umzug war ein Flächenbrand, durch den ohne Unterlass Kapitän Haddocks Mille millions de mille sabords! trampelten. Wäre ich nicht schon immer ein herzhafter und rücksichtsloser Flucher gewesen, ich hätte diese frohe Kunst unweigerlich gelernt, auf dem langen und beschwerlichen Weg aus der alten in die neue Wohnung.

Bei allen Verletzungen und Verstörungen, Beschädigungen und Beschämungen einer gar schröcklichen Zeit – die sich paradoxerweise einerseits ins Unermessliche zu dehnen schien, wenn ich nämlich mit diesen unüberschaubaren und nicht enden wollenden Plackereien befasst war, während sie andererseits rasend schnell verstrich, angesichts des gnadenlos näher rückenden, definitiven Auszugstermins aus dem gekündigten Wahnsitz Nummer 10 – war doch die schlimmste der Qualen der notgedrungene, wenngleich vorübergehende Verzicht aufs Schreiben.

Einen solchen Tort werde ich mir nie, nie wieder antun. Dies Haus, Wahnsitz Nummer 11, verlasse ich nur mehr in Rückenlage und mit den Füßen voran! Und bis dahin will ich keinen Tag mehr verstreichen lassen, dem ich nicht an dieser Stelle je nach Gusto meinen Tadel oder meine Jauchzer hinterherschicke. Wenn ich zum Schweigen verurteilt bin, werde ich ganz kümmerlich und miesepetrig und stumpfsinnig. Das darf sich niemals mehr wiederholen!

(An dieser Stelle ein großes Dankeschön an alle Helfer: Heinrich F., Mario R., Ronald K., Christoph K., Johannes M., Hannerlore M., Jakob T., Christoph Sch., Dominik V., Gabi N., David P., Tim T., Ludger C., Susanne B., Thomas B., Söhnke N., Pablo F., Ulf G., Christian F., Benedikt R., Paul H. und meine Kinder.)

3 Responses to “Letzter Umzug”

  1. Günter Landsberger Says:

    Herzlichen Glückwunsch und alles Gute, lieber Manuel!

  2. Günter Landsberger Says:

    Inzwischen habe ich u. a. ein weiteres Winder-Buch, seinen Roman von 1928: “Die Reitpeitsche”, gelesen. Es hielt mehr als das, was ich mir davon versprochen hatte.

  3. Michaela Says:

    Ich wünsche Freude und Erfolg bei der Arbeit! Du machst das schon.

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