Schnee von gestern

Nachdem die Magnolie in der Weißbachstraße sich bereits vor ein paar Tagen ihrer Blüten entledigt hat, „schneit” es nun auch blassrosa von den japanischen Zierkirschen herab. Heute vor genau zwei Monaten war das Pflaster vorm Haus noch mit richtigem Schnee bestäubt.

Ein sechstel Jahr. Mir kommt der Zeitraum zwischen diesen beiden Fotos vor wie eine halbe Ewigkeit. Seither bin ich tatsächlich ein anderer geworden – wie schon so oft, mögen meine besten Freunde sagen und lächeln. Wieder mal eine Metamorphose, ja! Lacht nur! Aber diesmal ist es ernst. Seit langer, langer Zeit geht es endlich wieder an die Substanz.

Schade nur, oder vielleicht im Gegenteil ganz gut, dass man davon vermutlich in diesen brav vor sich hinplätschernden Notizen vom Tage wenig bis gar nichts merkt.

Mich selbst erinnern sie an die Schwimmer beim Angeln, die das Anbeißen der Beute signalisieren sollen. Wenn tief unter der spiegelglatten, friedvollen Wasseroberfläche ein riesiger Raubfisch mit der Nase an den Köder stößt, dann löst er damit bloß ein ganz feines Zucken im treibenden Schwimmer aus, kaum wahrnehmbar. Sehr leicht könnte es auch von der schwachen Brise herrühren, die von Land kommt und einen zarten Hauch von Kaffeeduft mit sich bringt.

Es ist halb fünf und die Tante des Hafenmeisters setzt sich gerade zu ihrem gemütlichen Viertelstündchen auf die Veranda, das sie sich, wie sie nicht müde wird zu betonen, wahrlich verdient hat.

3 Responses to “Schnee von gestern”

  1. Günter Landsberger Says:

    In welchem Sinne Du wohl ein anderer geworden bist? Du machst neugierig, deutest an, sagst aber nichts. “Nur wer sich wandelt, bleibt mir nah.”(?)
    Das atmosphärische Bild indessen, dass Du hier gibst, lieber Manuel, ist knapp und dicht und schön.

  2. Revierflaneur» Blogarchiv » Samstag, 25. April 2009: Gefälligkeit Says:

    […] letzten Montag mein Freund H. F. gesprächsweise einen ganz ähnlichen Fehler monierte. Im Beitrag Schnee von gestern hatte ich geschrieben: „Mich selbst erinnern sie [meine Blog-Texte] an die Schwimmer beim Angeln, […]

  3. Michaela Says:

    Heute unter http://www.westropolis.de/ zu lesen:

    westropolis sagt Adieu

    Liebe Leser und Kulturfreunde,

    unser Experiment westropolis neigt sich dem Ende zu. Am 01. Januar 2011 schließt die Kulturplattform westropolis ihre Pforten.

    In den vergangenen vier Jahren haben wir viele interessante Eindrücke aus der Kulturlandschaft an Rhein und Ruhr sammeln können.

    Wir haben mit Hatice Akyün Streifzüge durch die Parallelwelt unternommen und mit der namhaften Autorin Else Buschheuer zusammengearbeitet. Eigengewächse des Potts, wie Bernd Berke, Ingo Juknat, der Revierflaneur oder Schwalbenalfred haben uns auf charmante Weise kulturell Bedeutsames abseits der ausgetretenen Pfade näher gebracht. Zahlreiche Nutzer haben das Motto “Kultur für alle, Kritik von allen” mit Leben erfüllt. Dafür vielen Dank an alle Beteiligten.

    Wir hoffen, dass Ihnen unser Experiment genauso viel Freude bereitet hat wie uns. Wir würden uns freuen, wenn Sie DerWesten auch weiterhin treu bleiben. Auf unseren Kulturseiten bieten wir Ihnen auch weiterhin alles Wissenswerte rund um die pulsierende Kulturmetropole Ruhr.

    Mit den besten Grüßen

    Das westropolis-Team

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