Webstalking

silbermoewe

In der Parallelwelt des Weblogs sammelt man als „Betreiber“ allerlei Erfahrungen, gute wie ungute. Es hält sich unterm Strich die Waage, wie im wirklichen Leben. Das gelobte Land der unbeschränkten Kommunikation entpuppt sich mitunter als ein engherziges Krähwinkel privater Denunziation. Beide Sphären sind für sich schon kompliziert genug. Wenn sie sich aber vermischen, kann es ungemütlich werden.

Nachdem ich bereits unangenehme Erfahrungen mit einer Westropolis-Kommentatorin machen musste, die ihre Sympathien und Antipathien wechselte wie Automysophobiker die Unterwäsche, und die mich, ohne je ein Wort in der realen Welt mit mir gewechselt zu haben, vom gemutmaßten Status eines „sehr geschätzten“ Autors im Handumdrehen zum lüsternen Blaubart degradierte, hat es sich nun offenbar eine andere Dame, diesmal aus meinem weitläufigen persönlichen Bekanntenkreis, in den Kopf gesetzt, durch mal mehr, mal (bewusst) weniger gut getarnte Kommentare zu diesem Weblog ihre albernen Spielchen mit mir zu treiben.

Im ersten Fall bekommt man es mit Phantomen zu tun, die die virtuelle Welt vorschnell für bare Münze nehmen und mit ihren wetterwendischen Phantasien Original und Fälschung nicht mehr auseinanderhalten können. Im zweiten Fall hat man einen Stalker bzw. eine Stalkerin am Hals, die es nicht verkraften kann, dass man ihr im realen Leben den Laufpass gegeben hat. So spielt das Leben, so wirkt die Kunst.

Offenbar will das Vögelchen, das da so viel Zeit aufbringt, sein gekränktes Mütchen im Schutz der Anonymität bei diesem Hase-und-Igel-Spiel an mir zu kühlen, sich selbst etwas beweisen. Aber was? Dass es das Stärkere ist? Dass sein zerstörerisches Potenzial es allemal aufnehmen kann mit meinem kreativen, dem ich hier zum Ausdruck verhelfen möchte? Na, diese Konkurrenz ist doch schon entschieden, bevor sie überhaupt begonnen hat.

Es ist immerhin bemerkenswert, zu welchen destruktiven Anstrengungen sich Menschen in der virtuellen Welt des Weblogs verleiten lassen, weil ihr wirkliches Leben bei allen realen Herausforderungen offenbar fade bleibt. Da ist der Ehepartner, da sind die Kinder, da ist eine nach eigenem Bekunden reizvolle berufliche Tätigkeit, da ist das ererbte Portefeuille, das ein komfortables Leben gestattet – und dennoch: Langeweile! Ich könnte fast Mitleid empfinden, wenn es nicht so lästig wäre.

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