Freitag, 8. August 2008: AtD II (10-20|23-37)

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Mit Vorfreude, Neugier und Abenteuerlust wende ich mich nach einer Lesepause von knapp drei Wochen wieder Thomas Pynchons letztem Roman Against the Day (deutsch Gegen den Tag) zu. Dieses Projekt befand sich zwischenzeitlich sozusagen im Schwebezustand: nie ganz vergessen, geschweige denn aufgegeben; auch nicht auf einem Abstellgeleis und schon gar nicht in einer Sackgasse. Solche Bilder aus dem Metaphernvorrat des Beförderungswesens zu Lande passen ja auch kaum zur Handlung dieses Buches, die sich – wir erinnern uns – bisher ausschließlich in der Luft zutrug.

Fünf wackere Männer und ein lesender Hund erreichen also heute mit der Inconvenience das Ziel ihrer Reise, die Weltausstellung in Chicago von 1893. Nachdem sie im Tiefflug über die berühmten Schlachthöfe der Stadt hinweggeschwebt sind, steuern sie kurz vor Sonnenuntergang den vorgesehenen Landeplatz an, auf dem sich schon eine gewaltige Ansammlung von Luftschiffen niedergelassen hat. Randolph St. Cosmo erspäht zwischen ihnen noch ein freies Plätzchen und gibt den Befehl zur Landung – doch dann kommt es beinahe zur Katastrophe.

Dass der phlegmatische Schiffskommandant ausgerechnet den trotteligen Miles Blundell ausersehen hat, das Hauptventil zu öffnen, um den Sinkflug der Inconvenience durch Ablassen von Wasserstoff einzuleiten, erweist sich als krasse Fehlentscheidung. Blundell verheddert sich mit dem Fuß im Zugseil und kann das Ventil nicht mehr schließen. In letzter Minute gelingt es dem rigorosen Schiffsprofoss Lindsay Noseworth und dem Neuling an Bord, Chick Counterfly, mit vereinten Kräften, Blundell loszureißen, doch verformt sich bei dieser gewaltsamen Manipulation die Feder, die das Ventil hätte schließen sollen. Während Counterfly auf Befehl des „Professors“ hektisch Sandsäcke abwirft, scheucht Noseworth das Maskottchen der Mannschaft, Darby Suckling, zum Aufentern ans Ventil, um es per Hand in die ,Geschlossen‘-Position zu bringen.

Kaum ist diese Gefahr gebannt, erspäht Miles durchs Fernglas unten am Boden zwei fliehende Menschen, die offenbar von den niederprasselnden Sandsäcken aufgescheucht wurden. Einer von ihnen ist merkwürdigerweise unbekleidet – und als der Beobachter kundgibt, dass es sich augenscheinlich um eine nackte Frau handele, entbrennt unter der Mannschaft ein erbitterter Streit um das Teleskop. Zu bald aber verschwindet das unzüchtige Paar im Unterholz und im Schutz der hereinbrechenden Dunkelheit. Die Inconvenience wird am Boden neben ihren zahlreichen Schwestern festgemacht, die Aeronauten gehen von Bord und schlagen ihr Messezelt auf, brutzeln ein Abendessen aus Katzenfisch zusammen und singen ein fröhliches Luftschifferliedchen.

Anschließend bekommen Lindsay und Miles vom Kommandanten Bodenurlaub und ein paar sittliche Ermahnungen mit auf den Weg, während Chick und Darby zum Wachdienst eingeteilt werden. Letzterer nutzt die Zeit, das defekte Hauptwasserstoffventil zu reparieren, während Counterfly eine Kanne Kaffee kocht. Unterdessen kommen drei Luftschiffer aus Oregon des Weges. Pugnax bemerkt sie als Erster und kläfft sich gleich mehrstimmig die Seele aus dem Leib. Es handelt sich um Miss Penelope Black, genannt „Penny“, der erst kürzlich das Kommando über die Tzigane übertragen wurde, sowie um die Herren Riley und Zip aus ihrer Mannschaft. Nach fröhlicher Begrüßung – man kennt sich offenbar – folgt ein geselliges Beisammensein bei Speis und Trank, mit aeronautischen Fachsimpeleien und allerlei „Luftmannsgarn“, wenn man so sagen darf.

[Das Titelbild von Reinhold Geidel stammt vom Einband des Buches von Franz [František] Bĕhounek: Sieben Wochen auf der Eisscholle. Der Untergang der Nobile-Expedition. Leipzig: F. A. Brockhaus, 1929.]

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