Am 23. Mai 2004 wählten die 1205 Mitglieder der Bundesversammlung Horst Köhler im ersten Wahlgang zum neunten Präsidenten der Brunzreplik Deutschland. Seine Gegenkandidatin Gesine Schwan, Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder), erhielt 589 Stimmen, nur 15 weniger als der Geschäftsführende Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Horst Köhler.
Dieses Ergebnis war überraschend knapp. Köhler erreichte die absolute Mehrheit, die einen zweiten Wahlgang erübrigte, gerade einmal mit einer einzigen Stimme. Seine Konkurrentin Schwan musste immerhin mindestens zehn Stimmen aus dem Lager der CDU/CSU und der FDP erhalten haben. Dieses Ergebnis ließ das geprüfte Herz eines überzeugten Demokraten schneller schlagen, der sich immer freut, wenn er schwache Anzeichen dafür wahrnimmt, dass es neben allem Fraktionszwang und allem abgekarteten Spiel in unseren Parlamenten gelegentlich doch noch, wenigstens in geheimen Wahlen, Spielräume für individuelle, wohlerwogene und freie Entscheidungen unserer Volksvertreter gibt.
Und so freute ich mich damals, vor ziemlich genau vier Jahren, und fragte mich, wer wohl die zehn oder mehr Abweichler gewesen sein mochten, die die Souveränität aufgebracht hatten, unabhängig von den Vorgaben ihrer Parteien und nach gründlicher Prüfung aller Vorzüge und Nachteile der beiden Kandidaten, allein ihrem Gewissen verpflichtet, eine unorthodoxe Wahl zu treffen. Sonderlich viel Courage gehörte zwar nicht dazu, es war ja, „wie gesagt“, eine geheime Wahl. Aber immerhin! Und eine aus dem kleinen Kreis der Abweichler, das CSU-Mitglied Gloria von Thurn und Taxis, machte aus ihrem Herzen unmittelbar nach Verkündung des Wahlergebnisses keine Mördergrube. Nach Bekanntgabe der Wahl von Horst Köhler ging sie auf die Verliererin Gesine Schwan zu, fiel ihr um den Hals und sagte zu ihr: „Sie sind eine wunderbare Frau. Ich habe Sie gewählt!“ Daraufhin habe Schwan sich bedankt und die Umarmung zurückgegeben.
Dummerweise hatte dies die Oberpfälzer SPD-Landtagsabgeordnete Marianne Schieder beobachtet und zwei Tage nach der Wahl beim Radiosender Bayern 1 ins Mikrophon geplaudert. Gestern bekannte die Gräfin in einem Interview mit Volker Zastrow in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: „Das wäre besser nicht herausgekommen. Seitdem werde ich in Bayern zu keinem Empfang der Staatsregierung mehr eingeladen.“ Gefühlsausbrüche in aller Öffentlichkeit sollte eine Managerin und Unternehmerin sich also besser verkneifen, wenn sie heimlich vom Weg abweicht und trotzdem Wert darauf legt, auf hochrangigen Empfängen ihre Geschäftskontakte pflegen zu dürfen.
Dass die spontane Gräfin von Thurn und Taxis uns nun aber gar, wenngleich mit vier Jahren Verspätung, Einblick gewährt in ihre damaligen Motive, warum sie sich nämlich, in drei Teufels Namen, gegen die Parteilinie und für die „wunderbare Frau“ entschied, das ist ihr nicht hoch genug anzurechnen. Weil nämlich „Gesine Schwan […] eine reizende, sehr eloquente, ganz tolle Frau“ sei. „Ich habe sie auf einem Empfang in München anlässlich eines Abendessens im Antiquarium zu Ehren des damaligen Weltbankpräsidenten James Wolfensohn getroffen. Damals hatte ich Gelegenheit, mit ihr zu schwätzen. Sie ist wirklich eine sehr kluge und außerdem gutgelaunte Person. Kluge Deutsche sind sonst meistens schlecht gelaunt. Mir hat gefallen, dass es bei ihr anders war.“ (FAS Nr. 21 v. 25. Mai 2008, S. 2.) Dank dieses offenherzigen Bekenntnisses wissen wir jetzt endlich, wie der ideale Bundespräsident bzw. die ideale Bundespräsidentin dieser Republik beschaffen sein muss: reizend, eloquent, toll, klug und gut gelaunt. Ich verstehe ehrlich gesagt auch nicht, warum meine Laune als Demokrat angesichts einer solchen rücksichtslosen Offenbarung in den Keller sinkt. Vielleicht deshalb, weil ich noch immer nicht glauben mag, dass das ernste Geschäft der Politik mehr und mehr zum gspaßigen Showbusiness verkommt.
Das nennt man Frauensolidarität!
Ich finde ja, Frau Schwan hat außerdem noch eine super Frisur – wenn das mal kein Kriterium für die Wahl zur Bundespräsidentin ist!
Immer gut drauf. Wenn das ein Kriterium zur Wahl ist, dann sollten wir doch gleich einen wie Franz Beckenbauer nehmen. Oder einen von diesen “Volks”-Musikanten. Schaun ‘mer mal.
Beckenbauer? Ist der überhaupt wählbar? Ich dachte, der ist längst Staatsbürger von Monaco oder Liechtenstein.
Kommentar aus dem Blog der Frankfurter Rundschau:
“Gäbe es eine Direktwahl zum Bundespräsidenten, hätten wir es alsbald mit Franz Beckenbauer oder Günther Jauch als höchstem Repräsentanten unseres Staates zu tun. Und die ”Blöd”zeitung würde zum ”Königsmacher”. Nein danke…”
Und woher kommt die Unbildung und Verblödung? Hauptsächlich vom Fernsehen. Hätte man auf meinen Rat gehört und, statt das Privatfernsehen einzuführen, besser das 1. und 2. Programm abgeschafft und die dritten Programme weiter intellektualisiert, dann hätten bald die blöden Wessis vor lauter Langeweile Ostfernsehen geguckt, wären wenig später scharenweise über die Mauer geflohen, und wenn der Rest dann zu Freitagsdemonstrationen aufmarschiert wäre – immer vor dem langen Wochenende ohne “Dalli-Dalli” -, dann hätte man ihnen zum Abschied eine Banane in den A… gesteckt und sie auch noch ziehen lassen. Und Jürgen Habermas wäre jetzt unser Bundespräsident.
Da habermas!
Genau! Und überhaupt: Was schert uns Bürger von Westropolis die Brunzreplik? Bei uns ist längst Werner Freise Präsident auf Lebenszeit: http://www.westropolis.de/bernd.berke/stories/24215/