Lebenselixier

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Am vergangenen Dienstag ist Albert Hofmann, der Entdecker des Halluzinogens LSD-25, im jugendlichen Alter von 102 Jahren im schweizerischen Burg an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben. Noch vor zwei Jahren trat Hofmann als Vortragsredner bei einem zu seinen Ehren in Basel veranstalteten Symposium „LSD – Sorgenkind und Wunderdroge“ auf. In seinem Buch LSD – Mein Sorgenkind (1979) berichtet der Chemiker, wie er im April 1943 durch Zufall die phänomenale Wirkung des von ihm (im Zuge eines Serienversuchs mit der aus dem Mutterkorn gewonnenen Lysergsäure) bereits fünf Jahre zuvor synthetisierten Stoffes entdeckte. Er erzählt dort auch von seinen gemeinsam mit Ernst Jünger unternommenen Selbstversuchen.

Ernst Jünger hat in seinem Buch Annäherungen. Drogen und Rausch (1970) gleichfalls sehr eindrucksvoll diese Ausflüge in innere Räume an der Seite seines Freundes Hofmann geschildert. Es mag ja Zufall sein, dass auch Jünger das 102. Lebensjahr erreichte. Bemerkenswert ist aber doch, dass beide LSD-Versucher sich dieses Alters bis zuletzt bei vollkommener geistiger Klarheit erfreuten.

Ebenfalls bemerkenswert sind die Skrupel des schweizerischen Chemiekonzerns Sandoz, Hofmanns Arbeitgeber, der das in der psychiatrischen Behandlung von Psychosen angewandte LSD-25 bereits 1966 in den USA und fünf Jahre später auch in Deutschland vom Markt nahm. Bei einem anderen Medikament aus dieser Firma, dem suchterzeugenden Schmerzmittel Optalidon, war das Unternehmen nämlich weniger zimperlich. Es dauerte Jahrzehnte, bis Sandoz dieses Analgetikum entschärfte und das neue Präparat unter dem Namen Optalidon N in die Apotheken schickte. Einen so erfolgreichen Markennamen wollte man doch nicht ganz aufgeben, wenngleich der Umsatz anschließend rapide sank. Und ich erinnere mich noch sehr gut daran, dass die ach so skrupulöse Pharmafirma in Basel die Versorgung von Ländern in der Dritten Welt mit dem suchtbildenden „Original-Optalidon“ noch für längere Zeit aufrecht erhielt.

Der Verzicht auf den Vertrieb von LSD-25 hingegen ließ sich leicht verschmerzen, denn diese „Droge“ ist bekanntlich alles andere als suchtbildend. Nach Einnahme eines Trips dauert es mindestens zehn Tage, bis Körper und Geist für ihre Wirkung wieder empfänglich sind.

Dieser Beitrag ist Albert Hofmanns Freund Aldous Huxley gewidmet, dem Autor von The Doors of Perception (1954) und Heaven and Hell (1956), dem vorurteilsfreien Erforscher innerer Welten, der 1963 im Alter von 69 Jahren an Kehlkopfkrebs starb. Kurz vor seinem Tod ließ sich Huxley von seiner zweiten Ehefrau Laura intramuskulär 100 Mikrogramm LSD-25 injizieren.

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