Event

soiree

Wenn Gäste ins Haus stehen, bin ich immer ganz aus dem Häuschen. Ich weiß nicht, ob ich fortlaufen oder mich in mich selbst verkriechen soll. Gleichzeitig gibt’s doch noch so viel zu tun. Ich weiß nicht, wo mir der Kopf steht.

Meine Söhne würden sagen: „Ein geiles Gefühl!“ Konrad Adenauer hat gesagt: „Keine Experimente!“ Weil ich weder auf diese noch auf jenen höre, muss ich wie immer mit dem Schlimmsten rechnen und bin völlig gefühllos. Total cool. Paralysiert. Todesstarre.

Dann kommen also morgen Beatrix, Birgit, Brigitte, Christiane, Christoph, Eva, Eva, Eva, Gerd, Günter, Hakkı, Jacinta, Johannes, Jürgen, Juliette, Manfred, Ralf, Simona, Susanne, Tania, Valentin und Wolfgang – Überraschungsgäste nicht gerechnet. Exakt in 24 Stunden.

Die gute alte „Literarische Soiree“ ist von den Toten wiederauferstanden, wer hätte das gedacht? Gäste mit Gästen und Texte mit Texten und Gäste mit Texten und Texte mit Gästen zu konfrontieren – so habe ich mal mein Programm definiert.

Wenn ich nicht aus Erfahrung wüsste, dass ich spätestens eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung in einen geradezu überirdisch gelassenen Bewusstseinszustand verfalle und mit traumwandlerischer Sicherheit durch den Abend gleiten werde – ich würde verrückt.

8 Responses to “Event”

  1. Matta Schimanski Says:

    1. Ich vermute ganz stark, dass der Kopf sich dort befindet, wo er sonst auch immer ist.
    2. Solange die Paralyse sich nicht auf die Stimmbänder auswirkt, ist Hoffnung.
    3. Du hast eine Eva und – also echt! – Valentin vergessen.
    4. Soso: Konfrontation ist also dein Programm – passt irgendwie (hihi).
    5. Überirdisch gelassen und traumwandlerisch sicher – beneidenswert! Ich werde ins Koma fallen. Versprochen.

  2. Günter Landsberger Says:

    Gibt es das? Einen somnambulen Stoiker?

  3. Günter Landsberger Says:

    Ist es ein gutes Zeichen, dass ich heute morgen schon einen geheimnisvoll labyrinthischen Text aus den “Postmortalien” (Sirene 1993) von Ladislav Klima gelesen habe: “Abenteuer im Wald”?
    Ist das nur Zufall, lieber Zufallsspezialist?

  4. Günter Landsberger Says:

    Das beigefügte Bild, sehe ich gerade, lieber Manuel, ist ja richtig heimtückisch. Kafka und Poe auf den Photos (den beiden Bildern im Bild) wirken ausgesprochen wach, bei weitem wacher als die allermeisten der Gäste. Wurde da gerade Adalbert Stifters “Der fromme Spruch” vorgelesen?

  5. Revierflaneur Says:

    Liebe Matta, ad 1. Andere haben Wandernieren, ich habe ein Wanderhirn; ad 2. Krächz; ad 3. Stimmt! (korrigiert); ad 4. “irgendwie” passt hier auch mit “hihi” gar nicht; ad 5. ein Amoklauf wäre mir lieber, ich hole schon mal die Axt aus dem Keller.

    Lieber Günter, wehe dem, der Symbole sieht! – Ich fürchte, dass das Publikum heute Nacht zum Schluss einen noch wesentlich unwacheren Anblick bieten wird. Leider darf nicht fotografiert werden. (Es müssen sogar alle Spiegel verhängt werden.) Und wer hat mal wieder das Nachsehen? Die Nachwelt.

  6. Matta Schimanski Says:

    Jetzt gerade bemerke ich erst die fiesen kleinen Spitzen, die du mal wieder in deinem letzten Kommentar untergebracht hast. Gestern war ich noch zu aufgeregt.
    Tja, dass es keine Kamera gab, lag nicht an mir! Ich hätte aber sowieso nix mitgekriegt. Dafür habe ich vorher und hinterher alles Mögliche vergessen.

    Und dass die Nachwelt über die fehlenden Photos weinen sollte, bezweifle ich. Naja, vielleicht über die eine Hälfte.

  7. Günter Landsberger Says:

    Auch die Berliner und Wiener Salons, sagen wir der Rahel Varnhagen und der Fanny von Arnstein mussten ohne Photos auskommen und sind mir doch, ohne jede Möglichkeit dabeigewesen zu sein, immer noch sehr lebendig im Bewusstsein. (Ich war gespannt, ob es heute etwas Ähnliches geben könnte.)

  8. Günter Landsberger Says:

    Gestern am Abend haben wir (meine Frau und ich) uns eine ganz wundervolle englischsprachige DVD mit deutschen Untertiteln angesehen: einen “Animationsfilm”, will sagen, einen ausnahmslos herrlichen Zeichentrickfilm mit der Musik der Janacek-Oper “Das schlaue Füchslein” (“The Cunning little Vixen”) dirigiert von Kent Nagano. Und da gibt es eine Szene – und nur deswegen erzähle ich das hier -, die wie eine Fortsetzung des S.-M.-Abends wirkt. (Zufall, dass wir gerade jetzt auf sie gestoßen sind?) In dieser Szene macht das weibliche, vom Förster adoptierte und wieder entlaufene Füchslein die vielen Hennen dem Hahn auf dem Hof mit geschickter Agitation und Rhetorik feministisch abspenstig. Ganz toll gemacht! Der Text der Oper ist auch hier neu. (Direkt aus England über Ebay habe ich seinerzeit diese DVD bekommen. Die einzige Janacek-Oper, die bei mir wegen der Verkörperung durch Menschen auf der Bühne vorher nicht ganz so gut angekommen war. Alle anderen: Jenufa, Katia Kabanowa etc. haben wir oder ich allein außer dem “Füchslein” in guten und sehr guten Inszenierungen gesehen. Und nun dieser Film!!!)

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