Besuch in Do

Was man an einem solchen Tag bei der Zeitungslektüre lernt? Dass der Aprilscherz im eigentlichen, strengen Sinn eine Neckerei ist, mit der man jemanden mit einem dubiosen, nicht zu erfüllenden Auftrag losschickt. „Hol doch mal beim Krämer ein halbes Pfund Ibidumm!“ Daher ja auch der Ausdruck „jemanden in den April schicken“.

Tage, die so komisch lehrreich beginnen, enden erfahrungsgemäß tragisch dumm. Unter tausend Brücken musste ich fahren, im Bewusstsein, dass neuerdings wieder mal eine Nachahmerwelle, holzklotzbewaffnet, auf arglos hinter Windschutzscheiben in Beifahrersitzen kauernde Opfer zielten. Ich hab’s überlebt, sehr zu meiner Verwunderung.

Nette Leute, schnieke Wohnung, große Bibliothek, gute Gespräche – „ein sympathischer Abend“. Im Nacken hockte mir der Affe, mein Pensum heute, was jetzt schon gestern ist, nicht erfüllen zu können. – Bin ich eigentlich blöd? Wie soll ich schreiben, wenn ich darüber zum Leben keine Zeit mehr finde? (Aber das ist ja bloß wieder die altbekannte Crux.)

Hätte ich doch mal eins dieser gut geputzten, mundgerecht zugeschnittenen Möhrchen probieren sollen? Tempi passati. Mein Gastgeschenk von der Koelbl erwies sich leider als Doublette. Das ist aber doch genau besehen ein Erfolg und kein Missgeschick, wenn man unter Millionen Büchern so punktgenau den Geschmack des Gastgebers trifft, oder?

Immerhin weiß ich jetzt auch, warum das Tagesdatum meines Journals gleich doppelt dasteht, einmal mit Wochentag im Titel und dann noch einmal direkt darunter, mit Datum der Veröffentlichung. Beide können gelegentlich differieren, wie heute. Und aus dieser Differenz lacht der Affe in meinem Nacken und sagt: „Perfekt bist selbst Du nicht!“ – April, April!

[Bernd Berke gewidmet.]

2 Responses to “Besuch in Do”

  1. Matta Schimanski Says:

    Ich war ja davon ausgegangen, dass du deine April-Erstausgabe noch vor Antritt der abenteuerlichen Expedition fertig abgefasst hättest. Tststs.

    Andererseits hättest du dann nicht von unterwanderten Brücken und unerprobten Möhrchen berichten können. Und vom Affen, dem du ein Schnippchen geschlagen hast. D a s war doch wohl perfekt!

    Was fehlt, sind die Gelsenkirchener Leitmotive und die Moerser Verkehrsbetriebe.

  2. Revierflaneur Says:

    Jetzt weißt Du auch, warum ich so wortkarg war. Das schlechte Gewissen ließ mich verstummen.

Leave a Reply